Die Fabel des feuerlöschenden Kolibris

«Es gab eines Tages ein grosses Feuer im Wald. Alle Tiere flohen voller Angst in alle
Richtungen, denn es war ein sehr heftiges Feuer.
Ein hastig fliehender Jaguar sah einen Kolibri über seinen Kopf hinwegfliegen. Allerdings in
die entgegengesetzte Richtung. Der Kolibri flog auf das Feuer zu!
«Was machst du, Kolibri?», fragte der Jaguar verwundert.
»Ich komme vom See», antwortete er, «ich trinke Wasser mit meinem Schnabel und werfe
es auf das Feuer, um es zu löschen.»
Der Jaguar lachte. «Bist du verrückt? Glaubst du wirklich, dass du dieses grosse Feuer mit
deinem kleinen Schnabel allein löschen kannst?»
«Nein», sagte der Kolibri, «ich weiss, dass ich das nicht kann. Aber der Wald ist mein
Zuhause. Er ernährt mich, er bietet mir und meiner Familie Schutz. Dafür bin ich sehr
dankbar. Und ich helfe dem Wald zu wachsen, indem ich seine Blumen bestäube. Ich bin ein
Teil von ihm und der Wald ist ein Teil von mir. Ich weiss, dass ich das Feuer nicht löschen
kann, aber ich muss meinen Teil dazu beitragen.»
In diesem Moment hörten die Waldgeister den Kolibri. Sie waren von der Hingabe des
Vögelchens so gerührt, dass sie wie durch ein Wunder einen sintflutartigen Regenguss
schickten, der dem grossen Feuer ein Ende bereitete.

Die indianischen Grossmütter erzählen diese Geschichte ihren Enkelkindern und schliessen
mit den Worten: «Willst du Wunder in deinem Leben bewirken? Dann erfülle deinen Teil!»

Alte indianische Legende

Und die Moral von der Geschichte
Niemand von uns kann alleine etwas bewirken, es erscheint uns unmöglich! Und doch sind
wir Teil dieser Welt und müssen unseren Teil beitragen.
Wenn wir das mit Hingabe tun, können wir Wunder bewirken. Wenn wir das gemeinsam
tun, erhöhen wir die Chancen auf ein solches Wunder ins Unendliche.

Quelle:

244. Neumondbrief von Wendelin Niederberger